Juni 20

„Piloten für einen Tag“ schnuppern Höhenluft beim SFC

 
 
 

Nach der letzten Aktion „Pilot/in für einen Tag“ im Frühjahr 2019 vor Ausbruch der Coronapandemie konnte der Segelflugclub SFC Betzdorf-Kirchen e.V. jetzt endlich wieder zu einer Schnupperaktion als Gruppenveranstaltung einladen. Über 30 Interessent/innen hatten sich beworben, aber nur die ersten 13 von ihnen konnten diesmal berücksichtigt werden, da sonst die beiden Gruppen zu groß geworden wären. Alle anderen wird der SFC in den nächsten Wochen zu Einzelaktionen einladen.

Aber wir funktioniert das überhaupt, man kann das Fliegen mit dem Segelflugzeug ja nicht an einem Tag lernen?

Am 11.6. traf sich daher die Gruppe um 10 Uhr auf dem Flugplatz Katzwinkel-Wingendorf.

Schnupperpiloten, Fluglehrer und Helfer vor dem Start der Aktion

Diesmal war sogar ein fliegender Reporter der RZ dabei, der diese Erfahrung einfach mal selber machen wollte. Seinen begeisterten Bericht findet Ihr unter

https://www.rhein-zeitung.de/region/aus-den-lokalredaktionen/kreis-altenkirchen_artikel,-zwischen-himmel-und-erde-pilot-fuer-einen-tag-rzmitarbeiter-durfte-die-welt-von-oben-sehen-_arid,2417654.html

Kein „rasender“ sondern ein „fliegender“ Reporter – Thomas wird von Fluglehrer Jörg eingewiesen

Einige Vereinsmitglieder hatten vorher schon die doppelsitzigen Schulflugzeuge und die „Husky“, das 180 PS starke rot-blaue Schleppflugzeug des SFC, aus dem Hangar geräumt, ebenso wie den Rettungsbus, mit dem vor dem Flugbetrieb die Piste abgefahren wird.

Nach einer kurzen Einführung von Wolfgang Ermert, Ausbildungsleiter für Segelflug beim SFC, wurden zwei Gruppen gebildet, die von Wolfgang Ermert und den Fluglehrern Jörg Klingauf und Jochen Kuhlmann an die Flugzeuge geführt wurden.

Sicherheit hat Priorität 1 – Vor dem Flugbetrieb werden alle Flieger gründlich durchgecheckt

Schnell wurde den Fluginteressenten klar, dass Sicherheit noch weit vor dem Fliegen kommt. Gemeinsam mit den Fluglehrern, einigen fortgeschrittenen Flugschülern des SFC, Viktor, Florian, Lars und Louisa, sowie den Pilot/innen Conny, Katharina und Jan-Luca wurden die Flugzeuge erstmal an allen kritischen Stellen durchgecheckt. So bekamen die Neulinge von Anfang an mit, worauf es dabei ankommt. Vor dem Einsteigen gab es dann noch eine detaillierte Einweisung in die Benutzung der automatischen Rettungsfallschirme und der Fluginstrumente.

Einweisung von Ausbildungsleiter Wolfgang und Fluglehrer Jochen – Schnupperpilotin Victoria hört aufmerksam zu

In der Zwischenzeit war der Motor der Husky auch warmgelaufen und die Maschine rollte zum ersten Schlepp vor das Segelflugzeug. Helfer Michael zog das Schleppseil vom Heck der Schleppmaschine zum Segler, klinkte es ein und gab  nach einer Ausklinkprobe den Start frei.

Bodenakrobatik – „Schleppseilchef“ Michi klinkt ein und macht Klinkprobe

Langsam rollte die Husky an, bis das Seil straff war. Über Funk meldete der Pilot des Seglers „Seil straff!“ und die Husky gab ihren 180 Pferdchen die Sporen. Ein Helfer lief noch einige Meter an der Tragfläche mit, aber schon war das Flugzeug so schnell, dass es aerodynamisch gesteuert werden konnte. Während des nur wenige Minuten dauernden Schlepps auf 600 m über dem Platz konnten die Pilotenanwärter/innen schon mal an den Steuerelementen „mitfühlen“, wie der Fluglehrer die Maschine exakt hinter der Husky hielt.

Kurz vor dem Abheben

Ein kurzer Zug am gelben Ausklinkknopf, zweimaliges „Nachklinken“, ein leichter Ruck, und schon ließ das bis dahin starke Rauschen nach, der Segler drehte nach rechts weg, die Husky tauchte nach links zu Anflug und Landung ab.

Kleiner Schleppzug vor großen Wolken

Jetzt waren die Flugschüler gefragt: Nach Anweisung der Fluglehrer versuchten sie, den großen Segler mit Steuerknüppel und Fußpedalen gerade zu halten, nicht zu schnell oder zu langsam zu fliegen und die Richtung zu halten. Das erforderte zwar kaum Kraft, ein Segler lässt sich auch mit zwei Fingern fliegen, aber die Koordination zwischen dem, was der Kopf wollte und die Hände und Füße ausführen sollten, war dann doch nicht so einfach. Aber nach einigen schweißtreibenden Minuten stellten sich erste Erfolge ein und der Segler flog sauber und mit gleichmäßiger Geschwindigkeit geradeaus. Das gab Zeit für einen Blick nach unten, wo die Welt auf Spielzeuggröße geschrumpft schien. Alle gewohnten Landmarken waren nicht mehr erkennbar, man musste sich erstmal neue Orientierungspunkte suchen und hatte voll damit zu tun, den Flugplatz wiederzufinden, obwohl er nur etwa einen Kilometer entfernt war. Aber von oben sah eben alles anders aus!

Da inzwischen auch die Sonne durchgekommen war und den Boden erwärmte, begaben sich die Piloten auf die Suche nach Aufwinden. Sobald das Variometer, das Messgerät welches Steigen oder Fallen anzeigt, in den positiven Bereich zeigte, hieß es im Aufwind zu kreisen. Und auch das Einleiten des Kreisflugs ohne zu schnell oder zu langsam zu werden, verlangte den Piloten auf Probe ebenso viel ab wie der stationäre Kreisflug, sobald man das Zentrum des Aufwinds gefunden hatte. Aber dann ging es aufwärts wie im Fahrstuhl, das „erhebende“ Gefühl, ohne Motor mit 2-3 m/sec. mit dem immerhin 380kg schweren Doppelsitzer plus Pilotengewicht zu steigen, wird keiner vergessen, der das zum ersten Mal erlebte!

Die ASK-13 ist wieder da

So vergingen 20-30 Minuten wortwörtlich wie im Flug, während unten die anderen Aspirant/innen sehnsüchtig darauf warteten, dass „ihr“ Flieger wieder landete. Das geschah dann sanft und zielgenau mit Hilfe des Fluglehrers unter Einsatz der Bremsklappen und der Boden hatte die „Piloten auf Probe“ wieder. Beim Zurückschieben der Maschine zum Startpunkt, zusammen mit den anderen Flugschülern und Mitgliedern des Vereins, die kräftig mit anpackten, konnte man das Erlebnis erstmal verdauen. Alles war so intensiv und so schnell gegangen!

Zu Zehnt schiebt sich die 380kg schwere ASK-21 leicht zum Start

Schon gingen die nächsten Flüge hinter der Husky in die Luft, alle konnten an diesem Tag mindestens 2 Flüge machen, den letzten Flug konnte man dann am Sonntag absolvieren. Da war es wärmer und die Aufwinde waren besser und stärker, sodass jeder „Schnupperpilot“ auch mindestens einen  Flug zwischen 40 und 60 Minuten machen konnte. Die Erfahrungen des ersten Tages kamen den Piloten zugute und so langsam bekamen sie ein Gefühl dafür, dass es eigentlich doch nicht so schwierig ist, den großen Vogel so zu steuern, wie man es möchte, ohne dass er zu viel Eigenleben entfaltet. Die Begeisterung war bei allen dementsprechend groß und jetzt stellte sich die Frage, ob die Segelflugausbildung weitergeführt wird und was das für jede/n Einzelne/n an Zeitaufwand und Kosten, aber eben auch an Freude bedeutet. Das Erlebnis Segelfliegen geht eben kostengünstig nur im Team, macht aber im Team auch am meisten Spaß.

Einfach nur tolles Wetter !

Ein Teilnehmer fasste das Erlebte so zusammen: „Die Welt da oben ist eine andere und eine, die mir gefällt!“ Das ließ dann auch die Fluglehrer, die ebenso wie Schlepppiloten und Helfer/innen allesamt rein ehrenamtlich tätig sind, zufrieden sein, zwar hundemüde, da sie parallel auch die „alten“ Flugschüler in die Luft brachten, aber sie hatten in vorderster Linie dafür gesorgt, dass 13 Menschen ein beeindruckendes glückliches Wochenende verbringen durften.

Echte Vorfreude

Und der SFC ist sicher, dass sich einige der Teilnehmer/innen statt mit Corona mit dem Fliegervirus infiziert haben und an dieser „Krankheit“ noch länger kurieren werden. Die „Nebenwirkungen“ wie gelebte Kameradschaft, Offenheit für Neues, hohes Sicherheitsbewusstsein, gegenseitige Akzeptanz und Hilfestellung, Naturerlebnis ohne Widerspruch in Verbindung mit HighTech sind allerdings leicht zu verkraften!

Vielleicht sehen wir einige ja schon bald wieder bei uns auf dem Flugplatz oder in unserem Fliegerlager in Aalen-Elchingen vom 23.7. – 6.8.2022. Wir freuen uns darauf!

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